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Zur neurologischen Privatpraxis Prof. Dr. Hufnagel

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Valproinsäure

Handelsnamen:

Convulex®, Ergenyl®,Ergenyl chrono®,  Leptilan®, Mylproin®, Orfiril®

Wirkmechanismen:

1. Verstärkung der GABA-erge-Inhibition durch Anlagerung an den GABA-A-Rezeptor-Chloridionenkomplex
2. Verminderung schnell repetitiver Entladungen an spannungsabhängigen Natrium- und Kalzium-Kanälen

Indikation:

Mittel erster Wahl zur Behandlung idiopathisch generalisierter Epilepsien. Gleichzeitig sehr wirksam gegen Epilepsien fokalen Ursprungs. Status epilepticus.

Kontraindikation:

Lebererkrankung, Missbildungssyndrome mit Leberbeteiligung (auch in der Familienanamnese)

Dosis:

Erwachsene: 900–2400 mg/Tag
Kinder: 20–30 mg/kg/Tag
Retardpräparate sollten bevorzugt werden.
Aufdosierung:
Kann bei Bedarf rasch i. v. erfolgen (Erwachsene: 1200–1800 mg/Tag für 3–4 Tage); dann oral 900–1200 mg/Tag weitergeben, sonst alle 3–5 Tage um 300 mg erhöhen.

Medikamentöse Interaktionen:

Valproinsäure kann als Enzyminhibitor die Serumkonzentration von Phenobarbital und Lamotrigin erhöhen. Die Serumkonzentration von Valproinsäure wird durch Enzyminduktoren wie Carbamazepin, Phenytoin oder Phenobarbital abgesenkt.

Nebenwirkungen:

Häufig Selten
kontinuierliche Thrombopenie und Faktor-8- Mangel
Gewichtszunahme (klinisch selten relevant)
reversibler Haarausfall Leberzerfallskoma mit letalem Ausgang
gastrointestinale
Unverträglichkeit
Pankreatitis
Tremor Teratogenität (ca. 3 %)
polyzystische Ovarien,
erhöhtes Testosteron
erhöhtes Cholesterin

 

Kommentar:

Valproinsäure zeigt ein breites antikonvulsives Wirkspektrum. Nebenwirkungen wie gastrointestinale Störungen, Haarausfall und Tremor zeigen sich bei etwa jedem 6. Patienten. Die Gewichtszunahme kann stetig sein und tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Bei Frauen findet sich nicht selten ein erhöhter Testosteron-Spiegel, polyzystische Ovarien und Infertilität. Die Teratogenität bezieht sich überwiegend auf die Möglichkeit der Induktion eines Neuralrohrdefekts (2–4 %). Valproinsäure kann einen tödlich verlaufenden Leberzerfall verursachen. Das Risiko beträgt: 1:600 bei Kindern <2 Jahren, 1:8000 bei Kindern im Alter von 3–10 Jahren, 1:10000 bei Jugendlichen, um ca. 1:50000 bei Erwachsenen. Besonders hohe Risiken entstehen diesbezüglich bei Vorliegen einer hepatischen Vorschädigung oder metabolischen Erkrankungen, bei Entwicklungsretardierung oder bei einer antikonvulsiven Polytherapie. Frühzeichen, die zumeist 1–4 Monate nach Behandlungsbeginn auftreten, sind Appetitlosigkeit, Apathie, Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit, gefolgt von Ikterus, Hämorrhagien, Ödemen und Aszites. Ein Aufhalten des Leberzerfallsprozesses ist lediglich in der Frühphase durch abruptes und vollständiges Absetzen des Medikaments möglich. Die unmittelbare Gabe von Levocarnitin wird empfohlen. Weltweit sind mehr als 150 Todesfälle beschrieben.

Zusammenfassung:

Vorteile Nachteile
breites Wirkspektrum einzelne Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Bildung polyzystischer Ovarien
zumeist gute Verträglichkeit Teratogenität, insbesondere Neuralrohrdefekte
rasche i. v. Applizierbarkeit, z.B. im Status epilepticus  
große therapeutische Dosisbreite  
große Erfahrung  


Zur neurologischen Privatpraxis Prof. Dr. Hufnagel: http://www.neuro-consil.de/html/privatpraxis.html

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