Indikation, Ziele und Prognose
Indikationen für die Durchführung einer prächirurgischen Epilepsiediagnostik und der chirurgischen Epilepsietherapie sind:
Epilepsie fokalen Ursprungs erwiesene medikamentöse Therapieresistenz Durchführbarkeit des Eingriffs ohne zusätzliche neurologische Defizite
Ziel der prächirurgischen Epilepsiediagnostik ist der Nachweis und die Eingrenzung eines resezierbaren Hirnareals. Ziel der chirurgischen Epilepsiebehandlung ist die Resektion dieses Hirnareals ohne zusätzliche neurologische Defizite bzw. unter Tolerierung geringfügiger zusätzlicher neurologischer Defizite. Ein zweites, als palliativ zu betrachtendes Therapiekonzept verfolgt die Unterbrechung der Anfallsausbreitung unter Belassung oder Teilresektion des epileptogenen Hirnareals (Beispiel: Kallosotomie oder multiple subpiale Transsektionen). Chancen und Risiken eines epilepsiechirurgischen Eingriffes lassen sich schon vor der prächirurgischen Evaluation orientierend einschätzen. Als günstig für einen epilepsiechirurgischen Eingriff gelten:
monofokales Epilepsiesyndrom niedriges Lebensalter kurze Epilepsiedauer fehlende psychiatrische Auffälligkeiten hohe Patientenmotivation intaktes psychosoziales Umfeld
Die durchschnittliche Chance auf Anfallsfreiheit ist zudem durch die Art des durchgeführten Eingriffs bestimmt.
Für den Nachweis der Pharmakoresistenz gibt es kein einheitliches Konzept. Die folgenden Therapiestrategien sollten jedoch als ausreichend gelten:
Monotherapie mit 2 Antikonvulsiva der ersten Wahl in maximal tolerabler Dosis oder sinnvolle Kombinationstherapie mit 2 Antikonvulsiva der ersten oder zweiten Wahl in der maximal tolerablen Dosis
Die Feststellung der Therapieresistenz sollte entsprechend diesen Strategien bei hoher Anfallsfrequenz innerhalb von 6 Monaten und bei niedriger Anfallsfrequenz innerhalb von einem Jahr möglich sein.
Prächirurgische Evaluation
Zur Lokalisation und Eingrenzung des epileptogenen Hirnareals werden neben der klinischen Anfallsbeschreibung und Videodokumentation elektrophysiologische Verfahren (Oberflächen-EEG, intrakranielles EEG) morphologische bildgebende Verfahren (MRT, CT), hirnmetabolisch bildgebende Verfahren (PET, SPECT), neuropsychologische Testverfahren (Testbatterie, intrakarotidaler Amobarbitaltest) und funktionell bildgebende Verfahren (funktionelle Kernspintomografie, Aktivierungs-PET) eingesetzt. Je klarer sich ein einheitliches epileptogenes Hirnareal in mehreren Methoden abzeichnet, umso besser sind die Grenzen des operativ zu entfernenden Hirnareals bestimmbar und umso besser ist die Prognose. |