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Zur neurologischen Privatpraxis Prof. Dr. Hufnagel

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Phenobarbital/Primidon

Handelsnamen:

Luminal®, Phaenemal®, Luminaletten®, Phenaemaletten®, Liskantin®, Mylepsinum®, Resimatil®

Wirkmechanismus:

Verstärkt die GABA-erge Inhibition durch Anlagerung an den GABA-A-Rezeptor-Chloridkanal-Komplex.

Indikation:

Anfälle fokalen Ursprungs, idiopathisch-generalisierten Epilepsien, Status epilepticus

Kontraindikation:

Phenobarbital-induzierte Langzeitnebenwirkungen, Porphyrie, schwere Herz-, Leber-, Nierenschädigung

Dosis:

Phenobarbital:
Erwachsene: 50–300 mg/Tag; Kinder: 1–4 mg/kg/Tag
Primidon:
Erwachsene: 500-1500 mg/Tag; Kinder:125–1000 mg/Tag

Aufdosierung:
Einschleichend, um die Verträglichkeit zu steigern. Im Notfall ist sofortige hochdosierte i. v. Applikation von Phenobarbital möglich.
Phenobarbital:
Erwachsene: Beginn mit 50 mg abends, alle 3–5 Tage um 25–50 mg erhöhen
Kinder: Beginn mit 0,5–1 mg/kg, alle 3–5 Tage um 0,5–1 mg/kg erhöhen
Primidon:
Erwachsene: einschleichend um jeweils eine ½-1 Tbl. alle 3–5 Tage erhöhen
Kinder: mit ½ Tbl. beginnen, jeweils um ½ Tbl. alle 3–5 Tage erhöhen

Medikamentöse Interaktionen:

Phenobarbital ist ein starker Induktor mikrosomaler Leberenzymsysteme und senkt die Serumkonzentrationen von Carbamazepin, Clonazepam und zumeist auch von Phenytoin. Umgekehrt wird die Serumkonzentration von Phenobarbital bei Anwesenheit von Enzyminhibitoren wie Valproinsäure erhöht. Phenobarbital verringert die Wirkung anderer Medikamente wie z. B. von oralen Contrazeptiva und Antikoagulantien, Digitoxin, Zytostatika, Corticoiden, Doxycyclin.

Nebenwirkungen:

Häufig Selten
Müdigkeit
Obstipation
Fibromatose mit Palmar- und Plantarfibrosen oder schmerzhafter Schultersteife
Sedierung
nach langjähriger Anwendung: Verlangsamung
megaloblastäre Anämie
Depression Akne
Wesensänderung mit Agitiertheit Osteopathie
psychomotorische Verlangsamung oder paradoxe Reaktion mit Irritabilität oder aggressiver Wesensänderung Lyell-Syndrom oder Stevens-Johnson-Syndrom

 

Kommentar:

Phenobarbital ist nach Brom das älteste Antikonvulsivum. Sein breites Wirkspektrum wird durch seine sedierenden und negativ psychotropen Nebenwirkungen limitiert. Wird Phenobarbital in höheren Dosen eingesetzt, so sind neben Müdigkeit häufig Reizbarkeit und Aggressivität sowie Libidoverlust und Depression erkennbar. Im Kindesalter besteht zudem die Gefahr einer retardierten Entwicklung kognitiver Leistungsfähigkeiten. Phenobarbital sollte von daher erst nach Ausschöpfung anderer antikonvulsiver Behandlungsmöglichkeiten appliziert werden. Im Status epilepticus kann es eingesetzt werden, wenn die Behandlungsmöglichkeiten mit einer Substanz der Benzodiazepin-Gruppe und Phenytoin erschöpft sind. Primidon wird zu Phenobarbital metabolisiert. Eine spezifische antikonvulsive Wirkung von Primidon im Vergleich zu Phenobarbital ist nicht sicher belegt.

Zusammenfassung:

Vorteile Nachteile
breites Wirkspektrum Sedierung
große Erfahrung schwerwiegende Nebenwirkungen wie psychiatrische Veränderungen und Bindegewebsveränderungen
Wirksamkeit im Status epilepticus starker Enzyminduktor
sehr günstiger Preis zahlreiche medikamentöse Interaktionen


Zur neurologischen Privatpraxis Prof. Dr. Hufnagel: http://www.neuro-consil.de/html/privatpraxis.html

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