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Lacosamid: Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

Von der Redaktion Stand: September 2026 5 Fachquellen Basiert auf DGN-Leitlinie

Lacosamid ist ein Antiepileptikum, das seit 2008 in der EU zur Behandlung fokaler Anfälle bei Erwachsenen zugelassen ist und heute zu den häufig eingesetzten Mitteln der zweiten und dritten Wahl gehört. Es wirkt über einen eigenen Mechanismus an spannungsabhängigen Natriumkanälen und kann sowohl als Einzel- als auch als Kombinationstherapie gegeben werden. Die DGN-Leitlinie 2023 nennt Lacosamid als Option bei fokaler Epilepsie, wenn Mittel der ersten Wahl nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lacosamid ist zur Behandlung fokaler Anfälle bei Erwachsenen zugelassen, auch als Zusatztherapie.
  • Der Wirkstoff stabilisiert Natriumkanäle in Nervenzellen auf eine von anderen Antiepileptika abweichende Weise.
  • Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Doppelbilder und Übelkeit, besonders zu Beginn der Therapie.
  • Lacosamid ist als Tablette, Lösung zum Einnehmen und Infusionslösung erhältlich.
  • Über Dosierung und Therapieanpassung entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Was ist Lacosamid und wofür wird es eingesetzt?

Lacosamid ist ein Antiepileptikum der neueren Generation, das in der EU seit 2008 unter dem Handelsnamen Vimpat zugelassen ist. Es ist indiziert zur Behandlung fokaler Anfälle mit und ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zwei Jahren (Fachinformation Vimpat). Seit 2022 besteht in Deutschland zudem eine Zulassung als Monotherapie bei fokalen Anfällen bei Erwachsenen. Die DGN-Leitlinie 2023 empfiehlt Lacosamid als Alternative oder Ergänzung, wenn Mittel der ersten Wahl – etwa Lamotrigin oder Levetiracetam – nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden (DGN-Leitlinie 2023).

Wie wirkt Lacosamid im Gehirn?

Lacosamid wirkt, indem es spannungsabhängige Natriumkanäle in Nervenzellen selektiv stabilisiert – und zwar in deren inaktiviertem Zustand. Dieser Mechanismus unterscheidet sich von dem klassischer Natriumkanal-Blocker wie Carbamazepin oder Lamotrigin, die vorwiegend den schnellen Inaktivierungszustand beeinflussen. Lacosamid verlangsamt die sogenannte „langsame Inaktivierung" der Kanäle, wodurch übermäßige, anfallsartige Nervenentladungen gedämpft werden, ohne die normale Signalübertragung stark zu beeinträchtigen (Fachinformation Vimpat). Dieser eigenständige Wirkmechanismus macht Lacosamid besonders interessant als Kombinationspartner mit anderen Antiepileptika.

Welche Darreichungsformen und Dosierungen gibt es?

Lacosamid ist als Filmtablette (50, 100, 150 und 200 mg), als Sirup (10 mg/ml) und als Infusionslösung (10 mg/ml) erhältlich, was eine flexible Anwendung auch bei Schluckbeschwerden oder im Notfall ermöglicht (Fachinformation Vimpat). Die übliche Tagesdosis bei Erwachsenen liegt laut Fachinformation in der Regel zwischen 200 und 400 mg, aufgeteilt auf zwei Einnahmen; in Einzelfällen können bis zu 600 mg täglich eingesetzt werden. Die Einstellung erfolgt schrittweise, um Nebenwirkungen zu minimieren. Welche Dosis im Einzelfall geeignet ist, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt – abhängig von Verträglichkeit, Begleitmedikation und Nieren- sowie Leberfunktion.

Welche Nebenwirkungen kann Lacosamid verursachen?

Lacosamid-Nebenwirkungen betreffen vor allem das Nervensystem und treten häufig zu Beginn der Therapie oder bei Dosiserhöhung auf. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen (≥ 1 von 10 Behandelten) zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Doppelbilder und Übelkeit (Fachinformation Vimpat). Häufig (≥ 1 von 100) können außerdem auftreten:

  • Koordinationsstörungen und unsicherer Gang (Ataxie)
  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme
  • Verschwommenes Sehen
  • Erbrechen und Verstopfung
  • Müdigkeit und Stimmungsschwankungen

Selten, aber klinisch relevant ist eine Verlängerung des PR-Intervalls im EKG, weshalb bei vorbestehenden Herzrhythmusstörungen oder gleichzeitiger Einnahme herzwirksamer Medikamente Vorsicht geboten ist (Fachinformation Vimpat). Bei neu auftretenden Herzproblemen sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

Welche Wechselwirkungen sind bekannt?

Lacosamid wird überwiegend über das Leberenzym CYP2C19 abgebaut, weshalb Hemmer oder Induktoren dieses Enzyms den Wirkstoffspiegel beeinflussen können (Fachinformation Vimpat). Starke CYP-Induktoren wie Carbamazepin, Oxcarbazepin oder Phenytoin können den Lacosamid-Spiegel senken. Besondere Vorsicht gilt bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, die das PR-Intervall verlängern (z. B. bestimmte Antiarrhythmika). Alkohol kann die zentralnervösen Nebenwirkungen verstärken. Eine vollständige Medikamentenliste sollte stets mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Wie schneidet Lacosamid im Vergleich zu anderen Antiepileptika ab?

Die DGN-Leitlinie 2023 ordnet Lacosamid bei fokaler Epilepsie als gut verträgliche Option ein, die sich durch ihren eigenständigen Wirkmechanismus als Kombinationspartner eignet. Im Vergleich zu Carbamazepin zeigt Lacosamid ein günstigeres Interaktionsprofil, da es keine relevante Enzyminduktion auslöst (DGN-Leitlinie 2023). Gegenüber Valproat hat Lacosamid Vorteile hinsichtlich der Teratogenität, ist aber bei generalisierten Epilepsien nicht zugelassen. Eine direkte Überlegenheit gegenüber anderen modernen Antiepileptika ist nicht belegt; die Wahl richtet sich nach individuellem Anfallstyp, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit.

Was gilt für besondere Patientengruppen?

Bei Schwangerschaft liegen für Lacosamid weniger Daten vor als für ältere Antiepileptika; tierexperimentelle Studien zeigten Entwicklungsauffälligkeiten bei hohen Dosen (Fachinformation Vimpat). Frauen mit Kinderwunsch sollten dies frühzeitig mit ihrer Epileptologin oder ihrem Epileptologen besprechen – mehr dazu auf der Seite Epilepsie und Schwangerschaft. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 30 ml/min) und schwerer Leberinsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich. Ältere Patientinnen und Patienten vertragen Lacosamid in der Regel gut, sollten aber wegen des Sturzrisikos durch Schwindel engmaschig begleitet werden.

Was bedeutet Lacosamid für Alltag und Fahreignung?

Schwindel und Sehstörungen können gerade zu Therapiebeginn die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zur Bedienung von Maschinen beeinträchtigen. Grundsätzlich gilt: Die Fahreignung bei Epilepsie richtet sich nach den Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (BASt, aktuelle Fassung) und hängt primär von der Anfallssituation, nicht allein vom Medikament ab – Details dazu auf der Seite Epilepsie und Führerschein. Auch im Beruf sollten mögliche Konzentrations- und Koordinationseinschränkungen in der Einstellungsphase berücksichtigt werden. Alkohol sollte während der Therapie gemieden oder stark eingeschränkt werden.

Wann sollte ärztlicher Rat gesucht werden?

Sofort ärztliche Hilfe ist erforderlich bei Herzrasen, unregelmäßigem Herzschlag, starker Benommenheit, Bewusstlosigkeit oder einem Status epilepticus. Auch bei Hautausschlag, Gelbfärbung der Haut oder Augen sowie bei deutlicher Stimmungsverschlechterung oder Suizidgedanken – ein bei Antiepileptika generell zu beachtendes Risiko (Fachinformation Vimpat) – sollte unverzüglich eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Lacosamid darf nicht abrupt abgesetzt werden, da dies das Anfallsrisiko erhöht; jede Dosisänderung muss ärztlich begleitet werden (DGN-Leitlinie 2023).

Häufige Fragen

Ist Lacosamid dasselbe wie Vimpat?

Ja. Vimpat ist der Handelsname des Originalpräparats mit dem Wirkstoff Lacosamid. Seit dem Patentablauf sind auch Generika mit dem Wirkstoff Lacosamid erhältlich, die denselben aktiven Wirkstoff enthalten.

Kann Lacosamid auch bei generalisierten Epilepsien eingesetzt werden?

Nein, die offizielle Zulassung von Lacosamid beschränkt sich auf fokale Anfälle. Bei generalisierten Epilepsiesyndromen ist der Einsatz außerhalb der Zulassung (Off-Label) und sollte nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung erfolgen.

Wie lange dauert es, bis Lacosamid wirkt?

Eine vollständige Wirkbeurteilung ist erst nach Erreichen der Zieldosis und einer ausreichenden Beobachtungszeit möglich, was in der Regel mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Die Einstellung erfolgt schrittweise, um Nebenwirkungen zu reduzieren.

Kann Lacosamid die Antibabypille beeinflussen?

Lacosamid induziert keine Leberenzyme und beeinflusst hormonelle Verhütungsmittel nach aktuellem Kenntnisstand nicht relevant. Dennoch sollte die Verhütungssituation immer mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden – mehr Informationen finden Sie auf der Seite Epilepsie und Verhütung.

Was passiert, wenn eine Dosis vergessen wird?

Laut Fachinformation sollte die vergessene Dosis so bald wie möglich nachgeholt werden, sofern die nächste Einnahme nicht bereits kurz bevorsteht. In diesem Fall wird die vergessene Dosis übersprungen. Niemals doppelte Dosen einnehmen – bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen.

Ist Lacosamid bei Nierenerkrankungen sicher?

Bei leichter bis mäßiger Niereninsuffizienz ist laut Fachinformation keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Einschränkung (GFR < 30 ml/min) sollte die Tagesdosis 250 mg nicht überschreiten; die genaue Anpassung legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt fest.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
  2. Fachinformation Vimpat (Lacosamid), UCB Pharma GmbH, aktuelle Fassung gemäß europäischer Zulassung (EMA)
  3. Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, aktuelle Fassung
  4. Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE): Klassifikation der Anfallstypen und Epilepsiesyndrome, Fisher et al., Epilepsia 2017
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) zu Vimpat, aktuelle Fassung

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.