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NOTFALL Anfall länger als 5 Minuten oder mehrere Anfälle hintereinander: 112 anrufen · Erste Hilfe

Status epilepticus: Notfall, Symptome und Behandlung

Von der Redaktion Stand: September 2026 5 Fachquellen Basiert auf DGN-Leitlinie

Ein Status epilepticus ist ein lebensbedrohlicher neurologischer Notfall, bei dem ein epileptischer Anfall nicht von selbst aufhört oder Anfälle so rasch aufeinanderfolgen, dass das Bewusstsein dazwischen nicht wiederkehrt. Ab einer Anfallsdauer von fünf Minuten sprechen Experten von einem Status epilepticus – dann ist sofortiges Handeln und ein Notruf (112) zwingend erforderlich (DGN-Leitlinie 2023). Je früher eine medikamentöse Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten auf eine vollständige Erholung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Status epilepticus liegt vor, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten andauert oder Anfälle ohne Bewusstseinserholung aufeinanderfolgen.
  • Er ist ein medizinischer Notfall: Sofort den Notruf 112 wählen.
  • Man unterscheidet vor allem den konvulsiven Grand-mal-Status und den nonkonvulsiven Status epilepticus.
  • Die Erstbehandlung erfolgt mit Benzodiazepinen; je früher, desto wirksamer.
  • Ohne rasche Therapie drohen bleibende Hirnschäden oder der Tod.

Was ist ein Status epilepticus genau?

Ein Status epilepticus ist definiert als ein Anfall, der länger als fünf Minuten anhält, oder als eine Serie von Anfällen, zwischen denen das Bewusstsein nicht vollständig zurückkehrt (DGN-Leitlinie 2023). Die frühere Grenze von 30 Minuten gilt als überholt, da das Gehirn bereits nach wenigen Minuten anhaltender Anfallsaktivität Schaden nehmen kann. Der Status epilepticus kann aus einer bekannten Epilepsie heraus entstehen oder als erstes Ereignis auftreten – etwa bei einer Hirnhautentzündung, einem Schlaganfall oder einer schweren Stoffwechselstörung. Mehr zu den möglichen Grunderkrankungen finden Sie unter Ursachen von Epilepsie.

Welche Formen des Status epilepticus gibt es?

Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei Hauptformen: den konvulsiven und den nonkonvulsiven Status epilepticus. Beim konvulsiven Status – dem sogenannten Grand-mal-Status – kommt es zu anhaltenden Muskelzuckungen und Bewusstlosigkeit, die für Außenstehende klar erkennbar sind. Der nonkonvulsive Status epilepticus (NCSE) hingegen zeigt sich oft nur durch Verwirrtheit, Verlangsamung oder subtile Automatismen und wird daher häufig übersehen oder fehlgedeutet. Daneben gibt es fokale Status-Formen, etwa den Absence-Status oder den fokalen Status mit erhaltener Wahrnehmung. Mehr zu fokalen Anfallsformen lesen Sie unter Fokale Epilepsie und fokale Anfälle.

Was ist ein Grand-mal-Status und wie erkennt man ihn?

Der Grand-mal-Status ist die häufigste und gefährlichste Form des konvulsiven Status epilepticus: Der Betroffene liegt bewusstlos am Boden, der gesamte Körper zuckt rhythmisch, Augen und Kopf können verdreht sein, Zähne sind fest aufeinandergepresst (DGN-Leitlinie 2023). Häufig treten Zyanose (Blaufärbung der Lippen), starkes Schwitzen und Speichelfluss auf. Dauert dieser Zustand länger als fünf Minuten an, ist der Notruf 112 sofort zu wählen. Informationen zum richtigen Verhalten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bietet die Seite Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall. Zur Einordnung des Grand-mal-Anfalls allgemein siehe Generalisierte Epilepsie und Grand-mal-Anfall.

Was ist ein nonkonvulsiver Status epilepticus (NCSE)?

Der nonkonvulsive Status epilepticus (NCSE) ist eine Form, bei der anhaltende epileptische Aktivität im Gehirn stattfindet, ohne dass es zu sichtbaren Krampfbewegungen kommt (DGN-Leitlinie 2023). Betroffene wirken verwirrt, reagieren verlangsamt, starren ins Leere oder zeigen feine Zuckungen im Gesicht. Gelegentlich wird ein NCSE für eine psychiatrische Krise oder einen Schlaganfall gehalten. Die Diagnose ist nur mittels EEG sicher zu stellen. Auch der NCSE ist behandlungsbedürftig, da anhaltende elektrische Anfallsaktivität das Gehirn schädigen kann – wenngleich das Risiko im Vergleich zum Grand-mal-Status etwas geringer eingeschätzt wird.

Wie gefährlich ist ein Status epilepticus?

Ein unbehandelter Status epilepticus kann zu dauerhaften Hirnschäden oder zum Tod führen. Die Sterblichkeitsrate des konvulsiven Status epilepticus liegt in Studien je nach Grunderkrankung und Patientenalter zwischen etwa 10 und 30 Prozent (DGN-Leitlinie 2023). Entscheidend für die Prognose sind die Dauer des Status, das Alter der betroffenen Person und die zugrundeliegende Ursache. Während ein kurzer, rasch behandelter Status bei jungen Menschen oft folgenlos bleibt, ist das Risiko bei älteren Patienten oder bei schwerer Grunderkrankung deutlich höher. Weiterführende Informationen zur Prognose bei Epilepsie finden Sie unter Ist Epilepsie heilbar? Prognose und Anfallsfreiheit.

Wie wird ein Status epilepticus behandelt?

Die Behandlung folgt einem gestuften Protokoll: Je früher eingegriffen wird, desto besser sprechen Patienten auf die Therapie an (DGN-Leitlinie 2023).

  • Phase 1 (0–5 Minuten): Stabile Seitenlage, Notruf 112, Atemwege freihalten.
  • Phase 2 (5–20 Minuten, präklinisch/Notaufnahme): Gabe eines Benzodiazepins – z. B. Lorazepam intravenös, Midazolam bukkal oder nasal, oder Diazepam rektal. Diese Mittel sind die Erstlinientherapie.
  • Phase 3 (20–40 Minuten): Bei Versagen der Benzodiazepine werden intravenös Antiepileptika wie Levetiracetam, Lacosamid oder Valproat eingesetzt. Die Auswahl trifft der behandelnde Arzt.
  • Phase 4 (refraktärer Status, >40 Minuten): Intensivmedizinische Behandlung, ggf. Narkose.

Dosierungen werden individuell vom Arzt festgelegt; Eigentherapie ohne ärztliche Anweisung ist nicht angezeigt.

Was können Angehörige vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes tun?

Angehörige sollten sofort den Notruf 112 wählen, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten andauert oder wenn die betroffene Person nicht wieder zu Bewusstsein kommt. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes gilt: Die Person in die stabile Seitenlage bringen, Atemwege freihalten, gefährliche Gegenstände aus der Umgebung entfernen und die Zeit stoppen. Nichts in den Mund stecken. Wenn ein Notfall-Benzodiazepin (z. B. Midazolam-Nasenspray oder Diazepam-Rektiole) ärztlich verordnet wurde, kann es entsprechend der ärztlichen Anweisung angewendet werden. Detaillierte Handlungsschritte beschreibt die Seite Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall.

Welche Ursachen lösen einen Status epilepticus aus?

Ein Status epilepticus kann viele Ursachen haben: Bei Menschen mit bekannter Epilepsie sind das häufig das plötzliche Absetzen von Antiepileptika, Schlafentzug, Fieber oder Infektionen (DGN-Leitlinie 2023). Bei Erstmanifestation kommen akute Hirnerkrankungen wie Schlaganfall, Hirnhautentzündung, Hirnblutung oder Tumore in Betracht, aber auch schwere Stoffwechselentgleisungen oder Vergiftungen. Selten tritt ein Status epilepticus ohne erkennbare Ursache auf (kryptogen). Die Ursachenabklärung ist entscheidend für die Langzeittherapie und erfolgt durch Bildgebung (MRT und CT), Laboruntersuchungen und EEG.

Was passiert nach einem Status epilepticus?

Nach einem Status epilepticus folgt in der Regel eine stationäre Überwachung, um Komplikationen wie Aspirationspneumonie, Herzrhythmusstörungen oder Nierenschäden zu erkennen und zu behandeln. Die Ursache wird intensiv abgeklärt. Anschließend wird die antiepileptische Dauertherapie angepasst oder neu eingeleitet – die Entscheidung darüber trifft der behandelnde Neurologe. Betroffene mit bekannter Epilepsie sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob ein Notfallmedikament für zu Hause verordnet werden kann. Informationen zum Leben nach einem ersten Anfall finden Sie unter Erster epileptischer Anfall: Was jetzt passiert.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von einem Status epilepticus?

Laut aktueller DGN-Leitlinie (2023) gilt ein Anfall ab einer Dauer von fünf Minuten als Status epilepticus. Auch eine Serie von Anfällen, zwischen denen das Bewusstsein nicht vollständig zurückkehrt, erfüllt diese Definition. Die frühere Grenze von 30 Minuten ist überholt.

Ist ein Status epilepticus immer mit Krämpfen verbunden?

Nein. Beim nonkonvulsiven Status epilepticus (NCSE) fehlen sichtbare Muskelzuckungen. Betroffene wirken verwirrt, verlangsamt oder reagieren kaum. Diese Form wird oft erst durch ein EEG erkannt und ist ebenfalls behandlungsbedürftig.

Was soll ich tun, wenn jemand einen Anfall bekommt, der nicht aufhört?

Sofort den Notruf 112 wählen, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert. Die betroffene Person in die stabile Seitenlage bringen, Atemwege freihalten und die Zeit stoppen. Nichts in den Mund stecken. Falls ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament vorhanden ist, dieses gemäß Anweisung anwenden.

Kann man nach einem Status epilepticus vollständig genesen?

Das hängt von Dauer, Ursache und Alter ab. Ein kurzer, rasch behandelter Status bei jungen Menschen heilt oft folgenlos aus. Bei länger andauerndem Status oder schwerer Grunderkrankung können bleibende kognitive Einschränkungen zurückbleiben. Eine schnelle Behandlung verbessert die Prognose erheblich.

Darf man nach einem Status epilepticus Auto fahren?

Nach einem Status epilepticus besteht in der Regel eine Fahruntauglichkeit, deren Dauer der behandelnde Arzt individuell festlegt. Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (BASt) sehen nach einem Status epilepticus in der Regel eine anfallsfreie Wartezeit vor. Detaillierte Informationen finden Sie unter Epilepsie und Führerschein auf unserem Portal.

Welches Medikament wird beim Status epilepticus zuerst gegeben?

Benzodiazepine sind die Erstlinientherapie: Lorazepam intravenös, Midazolam bukkal oder nasal sowie Diazepam rektal sind die gängigen Optionen (DGN-Leitlinie 2023). Welches Mittel in welcher Dosis eingesetzt wird, entscheidet der behandelnde Arzt oder Notarzt je nach Situation und Verfügbarkeit.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
  2. Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), aktuelle Fassung
  3. Fisher RS et al.: Operational classification of seizure types by the International League Against Epilepsy (ILAE), Epilepsia 2017; 58(4): 522–530
  4. Fachinformationen der jeweiligen Benzodiazepin-Präparate (Lorazepam, Midazolam, Diazepam), aktuelle Fassungen
  5. Trinka E et al.: A definition and classification of status epilepticus – Report of the ILAE Task Force on Classification of Status Epilepticus, Epilepsia 2015; 56(10): 1515–1523

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.