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Perampanel (Fycompa): Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen

Von der Redaktion Stand: September 2026 5 Fachquellen Basiert auf DGN-Leitlinie

Perampanel ist ein Antiepileptikum mit einem einzigartigen Wirkmechanismus: Es blockiert gezielt AMPA-Rezeptoren im Gehirn und hemmt so die überschießende Erregungsweiterleitung, die epileptischen Anfällen zugrunde liegt. Das Medikament ist in der Europäischen Union unter dem Handelsnamen Fycompa zugelassen und wird als Zusatztherapie bei bestimmten Epilepsieformen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab vier Jahren eingesetzt. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Nebenwirkung Aggressivität, über die Betroffene und Angehörige gut informiert sein sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Perampanel (Fycompa) blockiert AMPA-Glutamatrezeptoren und wirkt so der Anfallsentstehung entgegen.
  • Es ist als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen und bei primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen zugelassen.
  • Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, Schläfrigkeit und – als wichtige Besonderheit – Reizbarkeit und Aggressivität.
  • Die Dosierung wird individuell vom behandelnden Arzt festgelegt; übliche Erhaltungsdosen liegen laut Fachinformation zwischen 4 und 12 mg täglich.
  • Während der Behandlung gilt ein Fahrverbot, bis die individuelle Verträglichkeit sicher beurteilt ist.

Was ist Perampanel und wofür wird es eingesetzt?

Perampanel ist ein verschreibungspflichtiges Antiepileptikum der neueren Generation, das seit 2012 in der EU unter dem Handelsnamen Fycompa zugelassen ist. Es wird als Zusatztherapie (Add-on) eingesetzt, wenn andere Antiepileptika allein keine ausreichende Anfallskontrolle erreichen. Die Zulassung umfasst zwei Anwendungsgebiete (Fachinformation Fycompa):

  • Fokale Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Patienten ab vier Jahren
  • Primär generalisierte tonisch-klonische Anfälle bei Patienten ab zwölf Jahren mit idiopathischer generalisierter Epilepsie

Mehr zu den unterschiedlichen Anfallsformen erfahren Sie unter Fokale Epilepsie und fokale Anfälle sowie Generalisierte Epilepsie und Grand-mal-Anfall.

Wie wirkt Perampanel im Gehirn?

Perampanel wirkt als selektiver, nicht-kompetitiver Antagonist an ionotropen AMPA-Rezeptoren (Alpha-Amino-3-Hydroxy-5-Methyl-4-Isoxazolpropionsäure-Rezeptoren). Diese Rezeptoren sind entscheidend für die schnelle exzitatorische Signalübertragung durch den Botenstoff Glutamat. Bei Epilepsie führt eine übermäßige Glutamat-Aktivität zur unkontrollierten Entladung von Nervenzellen. Indem Perampanel diese Rezeptoren blockiert, dämpft es die neuronale Übererregbarkeit und erschwert die Entstehung und Ausbreitung epileptischer Anfälle (Fachinformation Fycompa). Dieser Wirkmechanismus unterscheidet Perampanel grundlegend von anderen Antiepileptika wie etwa Levetiracetam oder Lamotrigin.

Wie wird Perampanel dosiert?

Die Dosierung von Perampanel legt ausschließlich der behandelnde Arzt individuell fest; die folgenden Angaben dienen nur der allgemeinen Orientierung. Laut Fachinformation wird Perampanel einmal täglich zur Schlafenszeit eingenommen. Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis von 2 mg täglich, die schrittweise gesteigert wird. Übliche Erhaltungsdosen liegen zwischen 4 und 12 mg pro Tag (Fachinformation Fycompa). Bei Patienten, die gleichzeitig enzyminduzierend wirkende Antiepileptika wie Carbamazepin einnehmen, kann eine höhere Dosis erforderlich sein, da der Abbau von Perampanel beschleunigt wird. Bei älteren Patienten sowie bei Leber- oder Niereninsuffizienz ist besondere Vorsicht geboten.

Welche Nebenwirkungen hat Perampanel?

Perampanel kann eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, die besonders zu Behandlungsbeginn und bei Dosiserhöhungen auftreten. Zu den sehr häufigen und häufigen Nebenwirkungen zählen laut Fachinformation:

  • Schwindel (sehr häufig, betrifft mehr als 1 von 10 Behandelten)
  • Schläfrigkeit und Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Reizbarkeit, Aggressivität und Stimmungsschwankungen
  • Gangstörungen und Stürze
  • Gewichtszunahme
  • Verschwommenes Sehen

Die meisten dieser Effekte sind dosisabhängig und können durch eine langsame Dosissteigerung abgemildert werden. Dennoch sollten Betroffene und Angehörige Veränderungen im Verhalten oder der Stimmung frühzeitig dem Arzt melden.

Warum verursacht Perampanel Aggressivität – und was ist zu tun?

Aggressivität, Feindseligkeit und Reizbarkeit sind bekannte und klinisch bedeutsame Nebenwirkungen von Perampanel, die in klinischen Studien häufiger auftraten als unter Placebo (Fachinformation Fycompa). Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt; die AMPA-Rezeptor-Blockade beeinflusst möglicherweise auch Hirnregionen, die an der Emotionsregulation beteiligt sind. In seltenen Fällen wurden schwerwiegende psychiatrische Reaktionen einschließlich aggressiven Verhaltens gegenüber anderen Personen berichtet. Angehörige sollten daher auf Verhaltensänderungen achten. Bei Auftreten solcher Symptome ist umgehend ärztlicher Rat einzuholen; eine Dosisreduktion oder das Absetzen des Medikaments kann erforderlich sein. Das Absetzen darf nur unter ärztlicher Aufsicht und schrittweise erfolgen.

Welche Wechselwirkungen sind bei Fycompa zu beachten?

Perampanel wird hauptsächlich über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut, weshalb Substanzen, die dieses Enzym beeinflussen, die Wirkstoffkonzentration im Blut verändern können. Stark enzyminduzierend wirkende Antiepileptika wie Carbamazepin, Oxcarbazepin oder Phenytoin können den Perampanel-Spiegel erheblich senken und erfordern gegebenenfalls eine Dosisanpassung (Fachinformation Fycompa). Umgekehrt kann Perampanel in hohen Dosen (ab 12 mg/Tag) selbst die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel verringern – Betroffene sollten dies mit ihrem Arzt besprechen und gegebenenfalls zusätzliche Verhütungsmaßnahmen erwägen. Weitere Informationen bietet die Seite Epilepsie und Verhütung. Alkohol verstärkt die zentralnervösen Effekte von Perampanel deutlich und sollte gemieden werden.

Darf man mit Perampanel Auto fahren?

Perampanel beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit und das Konzentrationsvermögen, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosiserhöhungen. Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (Bundesanstalt für Straßenwesen, BASt, aktuelle Fassung) sehen vor, dass die Fahreignung bei Epilepsie und unter antiepileptischer Therapie individuell beurteilt werden muss. Grundsätzlich gilt: Solange keine stabile Einstellung mit gesicherter Verträglichkeit besteht und anfallsfreie Zeiträume gemäß den Leitlinien erreicht sind, darf kein Kraftfahrzeug geführt werden. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten. Ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite Epilepsie und Führerschein.

Für wen ist Perampanel nicht geeignet?

Perampanel ist kontraindiziert bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparats (Fachinformation Fycompa). Bei schwerer Leberinsuffizienz darf Perampanel nicht angewendet werden; bei leichter bis mittelschwerer Leberinsuffizienz ist Vorsicht geboten. Für Schwangere gilt: Wie bei den meisten Antiepileptika ist das Risiko für das ungeborene Kind nicht abschließend geklärt. Perampanel sollte in der Schwangerschaft nur eingesetzt werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt; die Entscheidung liegt beim behandelnden Arzt. Weiterführende Informationen bietet die Seite Epilepsie und Schwangerschaft. Stillende Frauen sollten ebenfalls ärztlichen Rat einholen, da nicht bekannt ist, ob Perampanel in die Muttermilch übergeht.

Wie unterscheidet sich Perampanel von anderen Antiepileptika?

Perampanel ist derzeit das einzige zugelassene Antiepileptikum, das spezifisch AMPA-Rezeptoren blockiert. Andere Wirkstoffe greifen an anderen Stellen an: Lacosamid stabilisiert Natriumkanäle, Valproat wirkt über mehrere Mechanismen gleichzeitig, und Brivaracetam bindet an das synaptische Vesikelprotein SV2A. Durch seinen einzigartigen Wirkmechanismus kann Perampanel auch dann noch wirksam sein, wenn andere Antiepileptika versagt haben, und eignet sich gut als Kombinationspartner (DGN-Leitlinie 2023). Die einmal tägliche Einnahme zur Nacht erleichtert die Therapietreue und kann dazu beitragen, dass Schwindel und Schläfrigkeit vor allem im Schlaf auftreten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Perampanel und Fycompa?

Perampanel ist der internationale Freiname (INN) des Wirkstoffs, Fycompa ist der Handelsname des Originalpräparats des Herstellers Eisai. Beide Bezeichnungen meinen dasselbe Medikament. In der Apotheke kann je nach Verfügbarkeit auch ein Generikum mit dem Wirkstoff Perampanel abgegeben werden.

Wie lange dauert es, bis Perampanel wirkt?

Da die Dosis langsam gesteigert wird, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die optimale Erhaltungsdosis erreicht ist und eine vollständige Beurteilung der Wirksamkeit möglich ist. Erste Veränderungen der Anfallshäufigkeit können bereits nach wenigen Wochen auftreten, eine abschließende Bewertung erfolgt jedoch erst nach Erreichen der Zieldosis und einer ausreichenden Beobachtungszeit.

Kann Perampanel abrupt abgesetzt werden?

Nein. Ein abruptes Absetzen von Perampanel kann zu einem Wiederauftreten oder einer Verschlechterung von Anfällen führen. Das Medikament sollte grundsätzlich nur unter ärztlicher Aufsicht und schrittweise ausgeschlichen werden. Eigenmächtiges Absetzen ist nicht empfehlenswert.

Macht Perampanel abhängig?

Perampanel gehört nicht zu den klassischen Suchtmitteln und hat kein bekanntes Abhängigkeitspotenzial im Sinne einer physischen Abhängigkeit. Dennoch sollte es nicht ohne ärztliche Begleitung abgesetzt werden, da epileptische Anfälle bei abruptem Absetzen zunehmen können.

Darf Perampanel mit Alkohol kombiniert werden?

Nein. Alkohol verstärkt die dämpfenden Wirkungen von Perampanel auf das Zentralnervensystem erheblich, insbesondere Schwindel, Schläfrigkeit und Konzentrationsstörungen. Außerdem kann Alkohol selbst ein Anfallsauslöser sein. Während der Behandlung mit Perampanel sollte auf Alkohol verzichtet werden.

Ist Perampanel auch für Kinder zugelassen?

Ja, für fokale Anfälle ist Perampanel ab einem Alter von vier Jahren zugelassen, für primär generalisierte tonisch-klonische Anfälle ab zwölf Jahren (Fachinformation Fycompa). Die Dosierung bei Kindern und Jugendlichen richtet sich nach Körpergewicht und Begleitmedikation und wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Quellen

  1. Fachinformation Fycompa (Perampanel), Eisai GmbH, aktuelle Fassung (abrufbar über die Datenbank der EMA)
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
  3. Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, aktuelle Fassung
  4. International League Against Epilepsy (ILAE): Operational classification of seizure types, Epilepsia 2017
  5. European Medicines Agency (EMA): Fycompa – Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.