Absencen: Symptome, Ursachen und Behandlung
Absencen sind kurze, plötzliche Bewusstseinspausen, die meist nur wenige Sekunden dauern und oft kaum auffallen. Sie gehören zu den generalisierten epileptischen Anfällen und treten vor allem bei der Absence-Epilepsie auf – einer Form der Epilepsie, die häufig im Kindes- und Jugendalter beginnt, aber auch Erwachsene betreffen kann. Da Absencen ohne Zuckungen verlaufen, werden sie im Alltag leicht übersehen oder mit Tagträumen verwechselt.
Das Wichtigste in Kürze
- Absencen sind sekundenkurze Bewusstseinspausen ohne Erinnerung an den Anfall.
- Sie zählen zu den generalisierten epileptischen Anfällen und gelten als Merkmal der Absence-Epilepsie.
- Typisch ist ein abrupter Beginn und ein ebenso abruptes Ende – Betroffene machen danach einfach weiter.
- Die Diagnose erfolgt vor allem über das EEG, das ein charakteristisches 3-Hz-Spike-Wave-Muster zeigt.
- Mit geeigneten Antiepileptika lassen sich Absencen bei vielen Betroffenen gut kontrollieren.
Was sind Absencen?
Absencen sind kurze epileptische Anfälle, bei denen das Bewusstsein für Sekunden vollständig aussetzt, ohne dass die betroffene Person stürzt oder zuckt. Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß „Abwesenheit
Welche Symptome zeigen Absencen?
Das Leitsymptom einer Absence ist der abrupte, kurze Bewusseinsverlust, der typischerweise 4 bis 20 Sekunden dauert (DGN-Leitlinie 2023). Betroffene halten mitten in einer Bewegung inne, der Blick wird leer oder nach oben gerichtet. Häufige Begleitzeichen sind:
- Lidmyoklonien: leichtes Flattern der Augenlider
- Automatismen: unbewusste Bewegungen wie Schmatzen, Schlucken oder Nesteln
- Tonusveränderungen: leichtes Absinken oder Versteifen des Kopfes
- Vegetative Zeichen: Blässe oder Rötung des Gesichts
Nach der Absence besteht keine Verwirrtheit – das unterscheidet sie von vielen anderen epileptischen Anfällen. Treten täglich Dutzende von Absencen auf, kann die Konzentrations- und Lernfähigkeit spürbar beeinträchtigt sein.
Was ist Absence-Epilepsie?
Die Absence-Epilepsie ist ein epileptisches Syndrom, das durch regelmäßig auftretende Absencen als führende Anfallsform gekennzeichnet ist. Die häufigste Variante ist die Absence-Epilepsie des Schulalters (Pyknolepsie), die meist zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr beginnt und Mädchen etwas häufiger betrifft als Jungen (DGN-Leitlinie 2023). Viele Kinder werden im Schulalter anfallsfrei, bei einem Teil persistiert die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter oder wandelt sich in andere Epilepsieformen um.
Daneben gibt es die juvenile Absence-Epilepsie, die im Jugendalter beginnt und häufiger mit Grand-mal-Anfällen kombiniert ist. Ausführliche Informationen zur Absence-Epilepsie im Kindesalter sowie zu Absencen bei Erwachsenen finden Sie in den jeweiligen Artikeln.
Was sind die Ursachen von Absencen?
Absencen entstehen durch eine genetisch bedingte Überregbarkeit bestimmter Schaltkreise zwischen Hirnrinde und Thalamus, die sogenannte thalamo-kortikale Dysfunktion. Bei der idiopathischen Absence-Epilepsie liegt keine strukturelle Hirnschädigung vor – die Ursache ist eine genetische Prädisposition, die die Erregungsschwelle im Gehirn herabsetzt (ILAE 2017). Mehrere Gene sind beteiligt, ein einzelnes „Epilepsie-Gen
Was ist die neurologische Dysfunktion bei Absencen?
Absencen beruhen auf einer vorübergehenden, synchronen Fehlfunktion thalamo-kortikaler Netzwerke – einer neurologischen Dysfunktion, die das Bewusstsein für Sekunden unterbricht, ohne dauerhaften Schaden zu hinterlassen. Im EEG zeigt sich dabei das charakteristische 3-Hz-Spike-Wave-Muster: regelmäßige Spitze-Welle-Komplexe, die bilateral synchron über beiden Hemisphären auftreten und exakt mit der klinischen Absence korrelieren (DGN-Leitlinie 2023). Dieses Muster gilt als diagnostisches Markenzeichen.
Häufige, unkontrollierte Absencen können kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis beeinträchtigen, insbesondere bei Kindern im Schulalter. Eine frühzeitige Behandlung ist daher nicht nur zur Anfallskontrolle, sondern auch zum Schutz der schulischen und beruflichen Entwicklung wichtig.
Wie werden Absencen diagnostiziert?
Die Diagnose stützt sich vor allem auf das Elektroenzephalogramm (EEG), das das typische 3-Hz-Spike-Wave-Muster nachweist. Da Absencen durch Hyperventilation zuverlässig provoziert werden können, gehört dieser Test zur Standarduntersuchung (DGN-Leitlinie 2023). Mehr zur Methode erklärt der Artikel zum EEG bei Epilepsie.
Ergänzend wird eine MRT des Gehirns durchgeführt, um strukturelle Ursachen auszuschließen – bei typischer idiopathischer Absence-Epilepsie ist sie unauffällig (MRT und Bildgebung bei Epilepsie). Wichtig ist außerdem die Differenzialdiagnose: Absencen müssen von Tagträumen, fokalen Anfällen mit Bewusstseinsstörung und psychogenen Anfällen abgegrenzt werden (Differenzialdiagnose epileptischer Anfälle).
Wie werden Absencen behandelt?
Absencen sprechen auf bestimmte Antiepileptika gut an; die Wahl des Medikaments trifft stets der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin individuell. Laut DGN-Leitlinie 2023 gelten bei der Absence-Epilepsie des Schulalters folgende Substanzen als Mittel der ersten Wahl:
- Ethosuximid: besonders wirksam bei reinen Absencen, günstige Verträglichkeit (Fachinformation; Ethosuximid)
- Valproat: wirksam auch bei kombinierten Anfallsformen, jedoch mit besonderen Risiken in der Schwangerschaft (Valproat)
- Lamotrigin: Alternative, insbesondere wenn Valproat nicht geeignet ist (Lamotrigin)
Dosierungen werden individuell angepasst; die in den Fachinformationen genannten Bereiche dienen nur als Orientierung. Natriumkanalblockierende Antiepileptika wie Carbamazepin können Absencen verschlechtern und sind kontraindiziert (DGN-Leitlinie 2023).
Wie ist die Prognose bei Absencen?
Die Prognose der Absence-Epilepsie des Schulalters ist überwiegend günstig: Ein erheblicher Teil der betroffenen Kinder wird unter Therapie anfallsfrei, und viele können die Medikamente nach mehrjähriger Anfallsfreiheit unter ärztlicher Aufsicht absetzen (DGN-Leitlinie 2023). Bei der juvenilen Absence-Epilepsie ist die Prognose etwas zurückhaltender einzuschätzen, da die Erkrankung häufiger bis ins Erwachsenenalter persistiert. Allgemeine Informationen zur Prognose und Anfallsfreiheit bei Epilepsie finden Sie in unserem Übersichtsartikel.
Unbehandelte oder schlecht kontrollierte Absencen können die schulische Leistung und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine regelmäßige neurologische Verlaufskontrolle ist daher wichtig.
Was müssen Betroffene im Alltag beachten?
Absencen können im Alltag sicherheitsrelevante Situationen schaffen, auch wenn sie kurz sind. Für den Führerschein gelten die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung: Anfallsfreiheit über einen definierten Zeitraum ist Voraussetzung für die Fahrerlaubnis – Details erklärt der Artikel zu Epilepsie und Führerschein (BASt-Begutachtungsleitlinien, aktuelle Fassung). Auch bei Schwangerschaft sind besondere Aspekte zu beachten, insbesondere bei Valproat-Einnahme (Epilepsie und Schwangerschaft).
Sport ist bei gut eingestellter Absence-Epilepsie in der Regel möglich; Aktivitäten mit erhöhtem Sturzrisiko oder in der Nähe von Wasser sollten mit dem Arzt besprochen werden (Epilepsie und Sport). Schlafmangel und Stress sollten als mögliche Anfallsauslöser möglichst vermieden werden.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Absence?
Eine typische Absence dauert 4 bis 20 Sekunden. Sie beginnt und endet abrupt, ohne Verwirrtheit danach. Betroffene haben keine Erinnerung an den Anfall (DGN-Leitlinie 2023).
Kann man Absencen von Tagträumen unterscheiden?
Ja, mit einiger Aufmerksamkeit: Bei einer Absence reagiert die betroffene Person während des Anfalls nicht auf Ansprache oder Berührung und kann die Tätigkeit nicht willentlich fortsetzen. Tagträumer lassen sich jederzeit ansprechen. Im EEG ist das 3-Hz-Spike-Wave-Muster eindeutig nachweisbar.
Sind Absencen gefährlich?
Einzelne Absencen sind in der Regel nicht lebensbedrohlich. Gefährlich werden können sie jedoch in bestimmten Situationen, etwa beim Autofahren, Schwimmen oder an Maschinen. Häufige, unkontrollierte Absencen können zudem die Konzentration und schulische Leistung beeinträchtigen. Ein Status epilepticus aus Absencen (Absence-Status) ist selten, aber behandlungsbedürftig.
Welche Medikamente helfen bei Absencen?
Ethosuximid, Valproat und Lamotrigin gelten laut DGN-Leitlinie 2023 als Mittel der ersten Wahl. Bestimmte Antiepileptika wie Carbamazepin sind kontraindiziert, da sie Absencen verschlechtern können. Welches Medikament geeignet ist, entscheidet der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin individuell.
Wachsen Kinder aus Absencen heraus?
Bei der Absence-Epilepsie des Schulalters ist die Prognose oft günstig: Viele Kinder werden unter Therapie anfallsfrei und können die Medikamente nach mehrjähriger Anfallsfreiheit unter ärztlicher Kontrolle absetzen. Bei der juvenilen Absence-Epilepsie bleibt die Erkrankung häufiger bis ins Erwachsenenalter bestehen (DGN-Leitlinie 2023).
Was ist der Unterschied zwischen typischen und atypischen Absencen?
Typische Absencen beginnen und enden abrupt, dauern wenige Sekunden und zeigen im EEG ein regelmäßiges 3-Hz-Spike-Wave-Muster. Atypische Absencen haben einen langsameren Beginn und ein weniger abruptes Ende, dauern oft länger und treten häufig bei schweren Epilepsiesyndromen wie dem Lennox-Gastaut-Syndrom auf. Das EEG-Muster ist bei atypischen Absencen unregelmäßiger (ILAE 2017).
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
- Fisher RS et al.: Operational classification of seizure types by the International League Against Epilepsy (ILAE), Epilepsia 2017; 58(4): 522–530
- Scheffer IE et al.: ILAE classification of the epilepsies, Epilepsia 2017; 58(4): 512–521
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, aktuelle Fassung
- Fachinformationen zu Ethosuximid, Valproinsäure und Lamotrigin (aktuelle Fassungen, jeweilige Hersteller)
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.