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West-Syndrom (BNS-Epilepsie): Symptome, Ursachen und Behandlung

Von der Redaktion Stand: September 2026 6 Fachquellen Basiert auf DGN-Leitlinie

Das West-Syndrom ist eine schwere Epilepsieform des Säuglings- und Kleinkindalters, die durch charakteristische Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe (BNS-Krämpfe), ein typisches EEG-Muster (Hypsarrhythmie) und häufig eine verzögerte Entwicklung gekennzeichnet ist. Es tritt meist im ersten Lebensjahr auf und gilt als dringlicher neurologischer Notfall, der rasch behandelt werden muss. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Aussichten für die weitere Entwicklung des Kindes.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das West-Syndrom beginnt meist zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat und äußert sich in plötzlichen, seriellen Körperkrämpfen (BNS-Krämpfe).
  • Das charakteristische EEG-Muster heißt Hypsarrhythmie und ist ein wesentliches Diagnosekriterium.
  • Häufigste Ursachen sind Hirnfehlbildungen, Stoffwechselerkrankungen, genetische Veränderungen oder perinatale Hirnschäden.
  • Die Erstbehandlung erfolgt meist mit ACTH, Vigabatrin oder Kortikosteroiden – die Wahl trifft der behandelnde Arzt.
  • Frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend, um Entwicklungsschäden so gering wie möglich zu halten.

Was ist das West-Syndrom?

Das West-Syndrom ist ein epileptisches Enzephalopathie-Syndrom des frühen Kindesalters, das erstmals 1841 vom britischen Arzt William James West beschrieben wurde. Es gehört zur Gruppe der generalisierten Epilepsien und wird in der ILAE-Klassifikation 2017 als entwicklungsbedingte und epileptische Enzephalopathie eingestuft. Die Erkrankung ist selten: Sie tritt bei etwa 2 bis 5 von 10.000 Lebendgeburten auf (ILAE 2017). Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Der Begriff „BNS-Epilepsie" leitet sich von der charakteristischen Anfallsform ab – den Blitz-Nick-Salaam-Krämpfen.

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Was sind Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe?

Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe (BNS-Krämpfe) sind die typische Anfallsform des West-Syndroms und beschreiben drei verschiedene Bewegungsmuster, die einzeln oder kombiniert auftreten können. „Blitz

Wann beginnt das West-Syndrom und wie erkennt man es?

Das West-Syndrom beginnt in der Regel zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat, mit einem Häufigkeitsgipfel um den 6. Lebensmonat (DGN-Leitlinie 2023). Die klassische Trias aus BNS-Krämpfen, Hypsarrhythmie im EEG und Entwicklungsstillstand oder -regression ist wegweisend. Die Hypsarrhythmie ist ein chaotisches, hochamplitudiges EEG-Muster mit fehlender normaler Hintergrundaktivität. Nicht immer sind alle drei Merkmale gleichzeitig vorhanden – auch ein unvollständiges Bild erfordert sofortige diagnostische Abklärung. Eltern sollten bei verdächtigen, seriellen Zuckungen des Kindes umgehend einen Arzt aufsuchen oder die Notaufnahme kontaktieren.

Welche Ursachen hat das West-Syndrom?

Das West-Syndrom hat in der Mehrzahl der Fälle eine nachweisbare Ursache (symptomatische Form) und wird dann heute als „strukturell

Wie wird das West-Syndrom diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf die klinische Beobachtung der Anfälle, das EEG und bildgebende Verfahren. Ein Langzeit-EEG oder Schlaf-EEG ist besonders aufschlussreich, da die Hypsarrhythmie im Schlaf oft deutlicher ausgeprägt ist. Eine MRT des Gehirns ist obligat, um strukturelle Ursachen zu identifizieren (DGN-Leitlinie 2023). Ergänzend werden Stoffwechseluntersuchungen im Blut und Liquor, genetische Diagnostik sowie ggf. eine ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. Videoaufnahmen der Anfälle durch die Eltern können dem Arzt die Diagnose erheblich erleichtern und sollten, wenn möglich, angefertigt werden.

Wie wird das West-Syndrom behandelt?

Die Behandlung des West-Syndroms ist dringend und sollte so früh wie möglich beginnen, da jeder Tag ohne wirksame Therapie das Gehirn des Kindes schädigen kann. Als Erstlinientherapien gelten ACTH (adrenokortikotropes Hormon), Kortikosteroide (z. B. Prednisolon) und Vigabatrin – die Auswahl und Dosierung trifft ausschließlich der behandelnde Kinderneurologe individuell (DGN-Leitlinie 2023). Bei tuberöser Sklerose als Ursache gilt Vigabatrin als Mittel der Wahl. Spricht das West-Syndrom auf keine medikamentöse Therapie an, kann in ausgewählten Fällen ein epilepsiechirurgischer Eingriff erwogen werden. Eine begleitende Frühförderung und Physiotherapie sind fester Bestandteil des Behandlungskonzepts.

Welche Prognose hat das West-Syndrom?

Die Prognose des West-Syndroms hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache und dem Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Kinder mit unbekannter Ursache und rascher Anfallsfreiheit haben die günstigsten Entwicklungsaussichten. Bei symptomatischen Formen – insbesondere bei schweren Hirnfehlbildungen – bleiben häufig kognitive Beeinträchtigungen und motorische Entwicklungsverzögerungen bestehen. Bei etwa 50–60 % der betroffenen Kinder entwickelt sich im weiteren Verlauf eine andere Epilepsieform, darunter das Lennox-Gastaut-Syndrom (DGN-Leitlinie 2023). Regelmäßige Verlaufskontrollen beim Kinderneurologen sind daher unerlässlich.

Wie unterscheidet sich das West-Syndrom von anderen Epilepsieformen im Kindesalter?

Das West-Syndrom ist von anderen kindlichen Epilepsiesyndromen klinisch und elektroenzephalographisch klar abgrenzbar. Im Gegensatz zu Absencen im Kindesalter, die meist gutartig verlaufen, ist das West-Syndrom eine schwere Enzephalopathie mit erheblichem Entwicklungsrisiko. Die Rolando-Epilepsie betrifft ältere Kinder und hat eine sehr gute Prognose. Auch von einem Fieberkrampf unterscheidet sich das West-Syndrom grundlegend: BNS-Krämpfe treten unabhängig von Fieber auf und zeigen das charakteristische Serienmuster. Eine sorgfältige Differentialdiagnose ist daher essenziell.

Was können Eltern im Alltag tun?

Eltern von Kindern mit West-Syndrom stehen vor großen emotionalen und praktischen Herausforderungen. Wichtig ist, Anfälle mit Datum, Uhrzeit, Dauer und Erscheinungsbild in einem Anfallskalender zu dokumentieren und dem Arzt vorzulegen. Videoaufnahmen der Anfälle helfen dem Behandlungsteam bei der Therapiesteuerung. Frühfördermaßnahmen, Ergotherapie und Logopädie sollten frühzeitig beantragt werden. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen der Deutschen Epilepsievereinigung bieten Unterstützung für betroffene Familien. Informationen zu Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen sollten alle Bezugspersonen des Kindes kennen, um im Notfall richtig handeln zu können.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter tritt das West-Syndrom auf?

Das West-Syndrom beginnt fast ausschließlich im ersten Lebensjahr, am häufigsten zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat mit einem Gipfel um den 6. Lebensmonat. Ein Auftreten nach dem zweiten Lebensjahr ist sehr selten.

Ist das West-Syndrom heilbar?

Eine vollständige Heilung ist möglich, aber nicht die Regel. Bei einem Teil der Kinder – insbesondere bei unbekannter Ursache und frühem Therapiebeginn – können die Anfälle dauerhaft kontrolliert werden. Viele Kinder behalten jedoch kognitive oder motorische Beeinträchtigungen, und bei einem erheblichen Anteil entwickelt sich später eine andere Epilepsieform.

Sind BNS-Krämpfe gefährlich?

Ja, BNS-Krämpfe sind medizinisch ernst zu nehmen. Die Anfälle selbst sind selten unmittelbar lebensbedrohlich, aber die zugrundeliegende Hirnaktivität schädigt die Gehirnentwicklung des Kindes. Ohne rasche Behandlung drohen bleibende Entwicklungsverzögerungen. Bei Verdacht auf BNS-Krämpfe sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Welche Medikamente werden beim West-Syndrom eingesetzt?

Die Standardtherapie umfasst ACTH, Kortikosteroide und Vigabatrin. Welches Medikament in welcher Dosierung eingesetzt wird, entscheidet der Kinderneurologe individuell – abhängig von der Ursache, dem Ansprechen auf die Therapie und möglichen Begleiterkrankungen. Eltern sollten keine Medikamente eigenständig absetzen oder dosieren.

Kann das West-Syndrom in das Lennox-Gastaut-Syndrom übergehen?

Ja, bei einem erheblichen Teil der betroffenen Kinder – Schätzungen zufolge bei etwa 50–60 % – entwickelt sich im Verlauf eine andere schwere Epilepsieform, am häufigsten das Lennox-Gastaut-Syndrom. Regelmäßige neurologische Verlaufskontrollen sind deshalb besonders wichtig.

Ist das West-Syndrom vererbbar?

In den meisten Fällen ist das West-Syndrom nicht direkt vererbbar im klassischen Sinne. Bei einem Teil der Kinder liegen jedoch genetische Veränderungen vor, die spontan (de novo) entstanden sind oder selten familiär vorkommen können. Eine humangenetische Beratung kann für betroffene Familien sinnvoll sein.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
  2. International League Against Epilepsy (ILAE): Operational classification of seizure types and epilepsy syndromes
  3. Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Leitlinie „Infantile Spasmen (West-Syndrom)", AWMF-Registernummer 022/021
  4. Fachinformationen zu Vigabatrin, ACTH-Präparaten und Prednisolon (jeweilige aktuelle Fassungen, Hersteller)
  5. Bundesamt für Straßenwesen (BASt): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, aktuelle Fassung
  6. Deutsche Epilepsievereinigung e. V.: Informationsmaterialien für Betroffene und Angehörige

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.