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NOTFALL Anfall länger als 5 Minuten oder mehrere Anfälle hintereinander: 112 anrufen · Erste Hilfe

Fieberkrampf bei Baby und Kind: Symptome, Erste Hilfe und Spätfolgen

Von der Redaktion Stand: September 2026 5 Fachquellen Basiert auf DGN-Leitlinie

Ein Fieberkrampf ist ein durch Fieber ausgelöster epileptischer Anfall im Kindesalter, der in den meisten Fällen harmlos verläuft und keine bleibenden Schäden hinterlässt. Er tritt typischerweise zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr auf und betrifft etwa 2–5 % aller Kinder in diesem Alter (DGN-Leitlinie 2023). Für Eltern ist der Anblick eines Fieberkrampfes erschreckend – medizinisch ist er jedoch in der Regel kein Notfall mit dauerhaften Folgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fieberkrampfe treten bei 2–5 % aller Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren auf.
  • Einfache Fieberkrämpfe dauern meist unter 5 Minuten und hinterlassen keine Schäden.
  • Während des Anfalls das Kind sichern, auf die Seite legen und Ruhe bewahren.
  • Fieberkrämpfe erhöhen das Epilepsierisiko nur geringfügig – die große Mehrheit der Kinder entwickelt keine Epilepsie.
  • Ein erster Fieberkrampf sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Was ist ein Fieberkrampf und wie häufig tritt er auf?

Ein Fieberkrampf ist ein epileptischer Anfall, der ausschließlich im Zusammenhang mit Fieber (in der Regel ab 38,0 °C rektal) auftritt und nicht durch eine Infektion des Gehirns oder eine andere definierte Ursache erklärt wird (ILAE-Klassifikation 2017). Er zählt zu den häufigsten neurologischen Ereignissen im Kindesalter: Etwa 2–5 % aller Kinder erleiden mindestens einen Fieberkrampf (DGN-Leitlinie 2023). Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Eine familiäre Häufung ist bekannt, was auf eine genetische Mitbeteiligung hinweist – mehr dazu unter Ist Epilepsie vererbbar?.

Welche Symptome zeigt ein Fieberkrampf beim Baby und Kleinkind?

Der Fieberkrampf äußert sich meist als plötzlich einsetzende, symmetrische Zuckungen des gesamten Körpers (generalisierter tonisch-klonischer Anfall), begleitet von Bewusstlosigkeit und gelegentlichem Augenverdrehen. Beim Baby kann der Anfall auch als kurzes Versteifen oder Schlaff-Werden des Körpers erscheinen. Typische Zeichen sind:

  • Plötzlicher Bewusstseinsverlust
  • Rhythmische Zuckungen von Armen und Beinen
  • Verkrampfung oder Erschlaffen der Muskulatur
  • Bläuliche Verfärbung der Lippen (kurzzeitig)
  • Schaum vor dem Mund möglich
  • Nach dem Anfall: Schläfrigkeit und Verwirrtheit (postiktale Phase)

Mehr zu Epilepsie-Symptomen und zum allgemeinen Ablauf eines epileptischen Anfalls finden Sie in unseren Übersichtsartikeln. Wenn Sie sich fragen, wie sich Fieber beim Kleinkind generell äußert und wann es behandlungsbedürftig ist, bietet dieser externe Ratgeber ergänzende Informationen.

Wie unterscheiden sich einfacher und komplizierter Fieberkrampf?

Medizinisch wird zwischen dem einfachen (febrilen) und dem komplizierten Fieberkrampf unterschieden – diese Unterscheidung ist für die Prognose entscheidend (DGN-Leitlinie 2023).

MerkmalEinfacher FieberkrampfKomplizierter Fieberkrampf
DauerUnter 15 Minuten15 Minuten oder länger
AnfallstypGeneralisiertFokal oder fokal mit Ausbreitung
Häufigkeit/24 hEinmaligMehrfach (serielle Anfälle)
Nachfolgende LähmungKeineMöglich (Todd'sche Parese)
EpilepsierisikoGering erhöhtDeutlicher erhöht

Etwa 70–75 % aller Fieberkrämpfe sind einfache Fieberkrämpfe (DGN-Leitlinie 2023).

Was tun bei einem Fieberkrampf – wie reagiert man richtig?

Während eines Fieberkrampfes sollten Eltern ruhig bleiben, die Zeit messen und das Kind vor Verletzungen schützen. Die wichtigsten Sofortmaßnahmen im Überblick:

  • Kind sichern: Gefährliche Gegenstände aus der Nähe räumen, das Kind nicht festhalten oder in die Bewegungen eingreifen.
  • Stabile Seitenlage: Sobald möglich, das Kind auf die Seite drehen, damit Speichel abfließen kann.
  • Nichts in den Mund stecken: Kein Löffel, kein Finger – Erstickungsgefahr.
  • Zeit stoppen: Dauert der Anfall länger als 5 Minuten, Notruf 112 wählen.
  • Nach dem Anfall: Kind beruhigen, Arzt aufsuchen oder Notruf rufen.

Detaillierte Hinweise zur Ersten Hilfe finden Sie unter Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall. Hält der Anfall länger als 30 Minuten an, liegt ein Status epilepticus vor – ein echter Notfall.

Wann muss nach einem Fieberkrampf der Notarzt gerufen werden?

Den Notruf 112 sollten Eltern sofort wählen, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, sich wiederholt oder das Kind danach nicht ansprechbar bleibt. Auch bei einem ersten Fieberkrampf ist eine ärztliche Untersuchung obligatorisch, um andere Ursachen wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Enzephalitis auszuschließen (DGN-Leitlinie 2023). Zeichen, die sofortigen Handlungsbedarf anzeigen:

  • Anfall dauert länger als 5 Minuten
  • Atemstörungen oder anhaltende Blaufärbung
  • Bewusstlosigkeit nach dem Anfall über mehrere Minuten
  • Einseitige Lähmungszeichen
  • Verdacht auf Nackensteifigkeit (Meningismus)

Welche Spätfolgen kann ein Fieberkrampf haben?

Die große Mehrheit der Kinder mit einem einfachen Fieberkrampf hat keine Spätfolgen – weder neurologische Schäden noch kognitive Einschränkungen (DGN-Leitlinie 2023). Das Risiko, nach einem einfachen Fieberkrampf eine Epilepsie zu entwickeln, liegt bei etwa 2–3 % und ist damit nur geringfügig höher als in der Allgemeinbevölkerung (ca. 1 %). Nach komplizierten Fieberkrämpfen steigt dieses Risiko auf etwa 5–10 %, abhängig von weiteren Risikofaktoren wie familiärer Epilepsiebelastung oder vorbestehenden neurologischen Auffälligkeiten (DGN-Leitlinie 2023). Langzeitstudien zeigen keine erhöhte Rate an Lernstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten nach einfachen Fieberkrämpfen. Mehr zur Prognose und Anfallsfreiheit bei Epilepsie finden Sie in unserem Übersichtsartikel.

Ist ein Fieberkrampf tödlich?

Ein unkomplizierter Fieberkrampf ist praktisch nie tödlich – das Risiko, an einem einfachen Fieberkrampf zu sterben, gilt als äußerst gering und ist in der Fachliteratur nicht belegt (DGN-Leitlinie 2023). Gefährlich kann ein Fieberkrampf werden, wenn er sehr lange anhält (Status epilepticus) oder wenn die zugrundeliegende Erkrankung – etwa eine schwere Infektion – lebensbedrohlich ist. Das Risiko eines plötzlichen unerwarteten Todes (SUDEP), das bei Epilepsie diskutiert wird, ist bei Fieberkrämpfen ohne nachfolgende Epilepsie nicht relevant. Informationen zu Lebenserwartung und SUDEP bei Epilepsie finden Sie in einem gesonderten Artikel.

Wie wird ein Fieberkrampf behandelt und vorgebeugt?

Eine medikamentöse Dauerbehandlung ist nach einem einfachen Fieberkrampf in der Regel nicht indiziert (DGN-Leitlinie 2023). Für den Notfall kann der Arzt eine Bedarfsmedikation mit einem Benzodiazepin (z. B. Diazepam rektal oder Midazolam bukkal/nasal) verordnen, die Eltern bei einem erneuten, länger dauernden Anfall anwenden können – Dosierung und Anwendung legt ausschließlich der behandelnde Arzt fest. Fiebersenkende Maßnahmen (Paracetamol, Ibuprofen) verhindern nachweislich keinen Fieberkrampf, können aber das Wohlbefinden des Kindes verbessern. Eine prophylaktische antiepileptische Dauertherapie wird nur in sehr seltenen Ausnahmefällen erwogen. Die Entscheidung trifft immer der Kinderarzt oder Kinderneurologe.

Wie hoch ist das Wiederholungsrisiko und wann endet die Gefährdungsphase?

Etwa 30 % der Kinder erleiden nach einem ersten Fieberkrampf einen weiteren Fieberkrampf (DGN-Leitlinie 2023). Risikofaktoren für eine Wiederholung sind: Alter unter 18 Monaten beim ersten Ereignis, niedriges Fieber beim Auslösen des ersten Anfalls und eine positive Familienanamnese. Mit dem 5.–6. Lebensjahr sinkt das Risiko deutlich, da die Reifung des Gehirns die Anfallsschwelle erhöht. Kinder, die Fieberkrämpfe hatten, benötigen keinen eingeschränkten Alltag – Sport, Kita und Schule sind uneingeschränkt möglich. Mehr zu einem ersten epileptischen Anfall und den nächsten Schritten lesen Sie in unserem Ratgeber.

Häufige Fragen

Ab welchem Fieber kann ein Fieberkrampf auftreten?

Fieberkrämpfe können bereits ab einer Körpertemperatur von etwa 38,0 °C (rektal gemessen) auftreten. Häufig setzt der Anfall in der Phase des raschen Fieberanstiegs ein, sodass Eltern das Fieber manchmal noch gar nicht bemerkt haben.

Darf man ein Kind während eines Fieberkrampfes festhalten?

Nein. Das Kind sollte nicht festgehalten werden, da dies die Zuckungen nicht stoppt und zu Verletzungen führen kann. Stattdessen das Kind sichern, gefährliche Gegenstände entfernen und es sobald möglich in die stabile Seitenlage bringen.

Muss nach jedem Fieberkrampf ein EEG gemacht werden?

Nach einem unkomplizierten einfachen Fieberkrampf ist ein EEG laut DGN-Leitlinie 2023 in der Regel nicht zwingend erforderlich. Bei komplizierten Fieberkrämpfen, Wiederholungen oder neurologischen Auffälligkeiten kann der Arzt ein EEG sowie weitere Diagnostik veranlassen.

Kann ein Fieberkrampf das Gehirn schädigen?

Ein kurzer, einfacher Fieberkrampf hinterlässt nach aktuellem Wissensstand keine Hirnschäden. Sehr lang anhaltende Anfälle (Status epilepticus über 30 Minuten) können in seltenen Fällen mit Veränderungen im Hippocampus assoziiert sein, was jedoch eine absolute Ausnahme darstellt.

Entwickelt mein Kind nach einem Fieberkrampf eine Epilepsie?

Das Risiko ist nach einem einfachen Fieberkrampf nur geringfügig erhöht (ca. 2–3 %). Die große Mehrheit der betroffenen Kinder entwickelt keine Epilepsie. Nach komplizierten Fieberkrämpfen und bei zusätzlichen Risikofaktoren ist das Risiko etwas höher; der Kinderarzt oder Kinderneurologe beurteilt dies individuell.

Sollten Eltern bei jedem Fieber sofort fiebersenkende Mittel geben, um einen Fieberkrampf zu verhindern?

Studien zeigen, dass fiebersenkende Medikamente (Paracetamol, Ibuprofen) einen Fieberkrampf nicht zuverlässig verhindern. Sie können das Wohlbefinden des Kindes verbessern, sind aber keine wirksame Prophylaxe gegen Fieberkrämpfe. Die Anwendung sollte nach ärztlicher Empfehlung erfolgen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S2k-Leitlinie „Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter“, AWMF-Registernummer 030-041, 2023
  2. International League Against Epilepsy (ILAE): Operational classification of seizure types and epilepsies, Epilepsia 2017
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) / Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Leitlinie Fieberkrämpfe, AWMF-Registernummer 022-005
  4. Bundesärztekammer / Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Fachinformationen zu Diazepam und Midazolam (aktuelle Fassungen)
  5. Shinnar S, Glauser TA: Febrile seizures. Journal of Child Neurology 2002; 17 Suppl 1: S44–52 (Grundlagenreferenz zu Epidemiologie und Prognose)

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine Behandlung nie ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. So arbeitet unsere Redaktion.